Zucker, Plastik, Wurst & Co. – Postmaterialismus und die große Systemunzufriedenheit

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Minimalisten, Systemkritiker, Verschwörungstheoretiker, Veganer, Plastikverweigerer und wie sie nicht alle heißen – sie sind allesamt Querulanten, Erbsenzähler, Teufel-an-die-Wand-Maler und Bäumestreichler. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich gehöre auch zu mindestens einer dieser Gangs. Ich kaufe mein Gemüse bevorzugt regional, saisonal und Bio, Putze mir die Zähne mit einer Bambuszahnbürste und schmiere mir nichts mehr auf den Körper, was ich nicht auch essen würde. Und das ist nur ein kleiner Teil der Dinge, die ich so tue, für die ich gelegentlich belächelt werde.

Meine Mutter sagte mal zu mir: „Du bist aber auch merkwürdig!“ – daraufhin bekam sie von mir nur ein trockenes: „Vielen Dank. Du findest also, ich bin des ‚Merkens würdig’!“

Und ist es nicht genau das, was wir eigentlich alle wollen? Besonders sein? Uns auf möglichst positive Weise hervortun und abgrenzen? Ein Vorbild sein, um des geil-seins Willen und nebenbei noch Werbegesicht für einen guten Zweck sein?

Ich muss gestehen, ich erzähle anderen gerne, dass ich keinen Fernseher bei mir zu Hause stehen habe – einfach nur damit ich mich heftig fühlen kann. Und wenn wir alle ganz ehrlich zu uns sind und heimlich in den Spiegel schauen, dann finden wir uns dort alle so ein bisschen wieder.

Individualität als Gegenstand der Selbstfindungsphase

In unserer Jugendzeit stylten wir unsere Haare auf eine ganz bestimmte Art und Weise oder hörten ganz spezielle Musik, um uns abzugrenzen. In unserer sogenannten Peer-Group fühlten wir uns wohl, verstanden und irgendwie besonders. Und wer in dieser für die Hirnentwicklung essentiellen Zeit nicht sein komplettes Hirn weggekifft hat, der geht in seiner Entwicklung irgendwann einen Schritt weiter: er will mehr!

Dann reicht es uns in unseren Mittzwanzigern nicht mehr, besonders auszusehen. Nein, wir wollen besonders SEIN!

Wer sich mit der Welt beschäftigt, wird automatisch zum Systemkritiker

Mit etwa zwanzig Jahren fangen wir langsam an, die Welt zu verstehen, globale Zusammenhänge zu begreifen und Unstimmigkeiten zu erkennen. Wir wurden vom defizitären Schulsystem hinausgespuckt in die große weite Welt. Ähnlich wie Protagonist Neo im Film „Matrix“ werden wir aus dieser kleinen Protoplasmazelle, von der wir bisher dachten, sie wäre unser Leben, hinausgespült. Wir haben endlich Zeit, durchzuatmen und uns die Welt wirklich anzusehen. Ungläubig reiben wir uns die Augen, blinzeln und starren, als würden wir zum ersten Mal das Licht der Welt erblicken. Aber Moment mal! Das, was wir dann sehen, gefällt uns so gar nicht!

„Homo homini lupus est“ – „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“

Titus Maccius Plautus (ca. 250 v. Chr. – ca. 184 v. Chr.)

„Umweltsünden“ – keine Kinkerlitzchen, sondern Armageddon par excellence

Da wären zum Beispiel die Müllberge im Pazifischen Ozean oder die geschredderten männlichen Küken in industriellen Tiergroßproduktionsstätten. Kleidernähende Mädchen aus Bangladesch bessern den Lohn der nahezu verhungerten, neunköpfigen Familie auf und massenvergewaltigte und ins Koma geprügelte, indische Mädchen runden das Bild ab. In viel zu vielen Produkten ist viel zu viel Zucker enthalten – und überhaupt – was soll diese schon nahezu zwanghafte Kernlosigkeit im Obst heutzutage? Und wozu eigentlich immer diese ganzen Plastiktüten? Wieso kann ich nicht einfach mit meiner eigenen Tupperdose zum Metzger? Und muss Hans-Wurst wirklich jeden Tag 49-cent-Salami auf seinem Brot haben? Warum benennt er sich denn nicht einfach um in Gurken-Andy und baut sein eigenes Gemüse im heimischen Garten an, anstatt sich im Januar peruanische Erdbeeren für 4 Euro die hundert Gramm zu gönnen? Warum schenken wir uns zu Weihnachten immer so viel unnötigen Plunder und was genau hat der amerikanische Geheimdienst damit zu tun?

49% aller vier- bis zwölfjährigen sind noch nie auf einen Baum geklettert!¹

Das alles klingt auf den ersten Blick unglaublich pedantisch und übertrieben – aber es sind Tatsachen, Probleme und Fragen, die die Welt bedeuten. Unsere Welt! Ich bin gerade mal 31 Jahre alt und habe keine Antwort auf irgendeine dieser Fragen. Aber ich besitze noch genügend jugendlichen Leichtsinn, diese Missstände anzuprangern.

Herzlichst, Rebecca

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Quelle:

¹https://www.sueddeutsche.de/news/leben/familie-umfrage-viele-kinder-sind-noch-nie-auf-baum-geklettert-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-150212-99-06284

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