Generation Y, die Sehnsucht nach dem wahren Glück und der harte Aufprall

Gepostet von

Zur Generation Y gehören alle, die zwischen den Jahren 1980 und 2000 geboren wurden – ich gehöre auch dazu. Wir sind „digital natives“ und sprechen fast alle irgendwie Englisch. Dadurch sind wir weltweit vernetzt, sodass uns die Welt immer kleiner vorkommt. Mir wurde als Kind gesagt, dass ich die „besten Voraussetzungen“ habe, weil ich nicht im Krieg aufwachse, Sprachen lernen kann und mit Computern umgehen kann. Flugzeuge bringen uns an jeden Winkel der Erde und ein Flugticket kostet gerade mal so viel wie eine Jeans. Die Welt liegt uns zu Füßen – und trotzdem sind alle irgendwie unzufrieden.

Die Generation Y ist unglaublich unbeschwert aufgewachsen. Unsere Kindheit war beschwingt vom Duft der Wiedervereinigung. Und weil sich unsere Eltern so sicher waren, dass wir es „besser haben werden“ als sie, legten sie uns eine unendliche Sehnsucht auf eine glorreiche Zukunft ins Herz. Meine Familie sagte mir oft, dass mir „alle Möglichkeiten offen stehen“ und hypten mich auf rosa Wolken in Richtung Erwachsenwerden.

Dann wurde ich das, was wir im Allgemeinen als „Erwachsen“ bezeichnen: ich war 18 Jahre alt, hatte mein Abi in der Tasche, hatte einen Führerschein und war stolze Besitzerin eines Renault Twingo. Mit den anderen „Generation Y – Angehörigen“ verpulverte ich mein in einer Kneipe hart verdientes Geld für Alkohol, Zigaretten und TK-Pizza. Großkotzig feierten wir unseren Hedonismus-Lifestyle und jagten Abenteuern, Geschichten und Augenblicken hinterher. Ständig mussten neue fotoreife Momente kreiert werden. Bewaffnet mit Smartphone samt Deppenzepter begaben wir uns Wochenende für Wochenende auf Selfie-Pirsch, immer auf der Lauer nach dem perfekten Instagram-Schuss. Schließlich mussten wir der Welt doch zeigen, wie krass, lustig, begehrenswert, mutig und unbesiegbar wir sind. Als Endorphin-Junkies im Endstadium redeten wir uns ein, dass wir auch „schlafen können, wenn wir tot sind“ und dass „zwischen Leber und Milz immer noch ein Pils“ passt. Doch irgendwann geht jede Ära zu Ende, dann ist das Pulver verschossen und es drängt sich die Frage auf: was kommt danach?

Danach kommt meistens das Große „OH“! Viele meiner Altersgenossen sind schon wieder single, immernoch zwangsläufig kinderlos, trotz der 1000 Möglichkeiten beruflich eher mittelmäßig erfolgreich und mäßig unzufrieden. Sie sind auf den harten Boden des Erwachsenenalltags aufgeklatscht. Und nun liegen sie da. Wie ein angefahrenes Eichhörnchen, dass schon stundenlang in der sengenden Sonne auf der Straße liegt und sich nicht ganz sicher ist, ob es nun schon tot oder noch lebendig ist.

Woher kommt die Lethargie, die Depression, die Desillusionierung?

Ich denke, der Hype, der in unserer Kindheit um unsere glorreiche Zukunft gemacht wurde, lässt uns jetzt ganz schön im Regen stehen. Irgendwann stellten wir fest, dass wir so unglaublich individuell sind, dass wir zu Partnerschaften kaum imstande sind. Und wenn wir doch einen Partner haben, so wundern wir uns, warum er uns einfach nicht glücklich macht – schließlich hat Hollywood uns doch beigebracht, dass es das „wunderbarste auf der Welt ist, geliebt und wieder geliebt zu werden“. Doch warum fühle ich mich dann nicht wunderbar? Verzweifelt suchen wir in unseren Beziehungen nach dem langersehnten Disney-Prinzessinnen-Effekt, in dem uns der Prinz endlich küsst und wir im Kate-Middleton-Brautkleid per Kutsche zur Hochzeitskapelle chauffiert werden.

Niemand sagte uns je, dass wir wahres Glück nur in uns selbst finden können und nicht in unserem Prinzen. Oder auf Backpacking-Weltreise quer durch Südostasien. Oder besoffen auf einer Discotoilette. Weder auf unserem Bankkonto noch in unserem Facebookaccount finden wir die wahre Glückseligkeit.

Jeder, der sucht wird auch finden.

Und suchen tun wir alle. Doch oft suchen wir an der falschen Stelle, werden fehlgeleitet oder in Sackgassen getrieben. Denn der wirtschaftliche Markt hat unsere Sehnsüchte erkannt – der Feind schläft nämlich nie! Es gibt unzählige Bücher über Selbstverwirklichung und „Lonely Planet“-Bücher verkaufen sich wie warme Semmeln. Dubiose Networking-Firmen schießen wie Pilze aus dem Boden und versprechen die lang ersehnte erste Million. Und im Fernsehen laufen Programme, die suggerieren, dass sogar der allerletzte Schwachmat ohne einen Cent in der Tasche und mit unterirdischen Sprachkenntnissen der eigenen Muttersprache einen eigenen Frisörladen auf Malle samt Traumvilla am Strand haben kann. Wir wissen ganz genau: Wenn wir „ES“ endlich geschafft haben, dann, ja dann werden unsere Eltern und auch alle Anderen auf unsere Schulter klopfen und richtig stolz auf uns sein! Ach was, sie sollen alle vor Neid erblassen! Aber was genau ist eigentlich nochmal „ES“?

Just do it! Yes, we can! Nichts ist unmöglich! Die Freiheit nehm ich mir!

Eine ganze Generation verherrlicht sich virtuell in den 7. Himmel, während sie heimlich Nachts in ihr Kopfkissen weint. Sie haben festgestellt, dass Beziehungen auch Arbeit bedeuten, dass Babies ziemlich viel schreien, dass beruflicher Erfolg nicht vom Himmel fällt und dass auch der schönste Prinz heimlich in der Nase popelt. -Klatsch!- ungebremster Aufprall.

Und wer es dann schafft, sich aufzurappeln, wird feststellen, dass das Leben nicht nur Glück als oberstes Leitziel hat. Im Leben geht es auch um Fortbestand, Aushalten, Durchhalten, Disziplin, Aufopferung, darum sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Die Erkenntnis, dass wir nicht der Mittelpunkt des Universums sind, macht unglaublich frei! Und mal ehrlich: kein Mensch kann der Mittelpunkt des Universums sein! Nur weil unsere Würde unantastbar ist und jeder Mensch einen kostbaren Wert hat, heißt es noch lange nicht, dass wir das absolute Recht auf Individualismus und Selbstverwirklichung gepachtet haben. Wenn wir akzeptieren, dass wir nicht alles besitzen, sein, kritisieren, fotografieren, kaufen und machen müssen – dann sind wir auf einem guten Weg zur Zufriedenheit. Dann sind wir auf der Reise zum gesunden Mittelweg. Dann sind wir endlich erwachsen.

Herzlichst, Rebecca

05069FAA-D8CC-41DC-BCC5-13C8565CCDC0.png

Spende für „Slow Mami“

Ich freue mich sehr, wenn ich Unterstützung für meine Arbeit bekomme! Fühle Dich eingeladen, für den Erhalt meiner Webseite zu Spenden!

€1,00

 

 

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s