Minimalismus im Kinderzimmer

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Ist ein minimalistisch gestaltetes Umfeld gut für die kindliche Entwicklung? Unterstützt es Kinder gar positiv? Und inwiefern ist minimalistische Ordnung und ein Weniger an Spielzeug im Kinderzimmer wichtig für ein Kind?

Jeder Fortschritt eines Kindes ist stets in die gesamte Entwicklung eingebettet und geschieht durch die aktive Auseinandersetzung mit seiner Umwelt. Das Erlernen der Sprache beispielsweise steht immer im Kontext mit dem Umfeld, in dem sich das Kind aufhält. Und genau bei diesem Umfeld setzt der Minimalismus wunderbar an. Um zu beurteilen, ob Minimalismus ein angemessener Lebensstil für ein Kleinkind ist (also für Kinder von einem bis etwa fünf Jahren) und wie viel Spielzeug ein Kind haben sollte, hilft es zu wissen, wie kindliches Lernen funktioniert.

Wie Kinder lernen
Menschen lernen immer gleich. Lernen läuft immer nach einem bestimmten Muster ab, das bedingt ist durch die Reifung und das Wachstum des Menschen. Lernen läuft immer nach denselben Mustern ab, auch wenn jedes Kind und jede Familie immer ein bisschen anders ist. Bücher wie „Oje, ich wachse“ oder „Das gewünschteste Wunschkind“ sind deshalb super erfolgreich, weil sie Eltern erklären, dass Kinder zwar verschieden, aber in ihrer Entwicklung trotzdem alle ähnlich sind.

Ab einem Alter von etwa 18 Monaten haben Kleinstkinder ihre sogenannte „Wortschatzexplosion“. Das ist die Zeit, in der Kinder bis zu zehn (!) neue Wörter am Tag lernen können! Das Kind lernt in einem ungeheuer rasanten Tempo das Sprechen, was zeigt, dass sich das Kind nun seine Lebenswelt erschließt. Das Kind lernt zu kategorisieren und einzuordnen und das drückt es auch in seiner aktiven Sprache aus. So kommt es zum Beispiel vor, dass ein Kind zu einer Orange „Ball“ sagt, weil es die runde Orange als Ball erkennt. Es hat vorher schon einmal einen Ball gesehen und schlussfolgert nun, dass alles „Ball“ heißt, das aussieht wie sein runder Spielzeugball. Oder ein Kind sagt „Erbse“ zu einem Maiskorn, weil es schlussfolgert, dass jede essbare Frucht, die klein und rund ist, „Erbse“ genannt wird.

Minimalismus hilft Kindern, die Welt zu verstehen
Jedes Kind hat Freude am Sortieren, weil es sich hierdurch die Welt erschließt. Durch Sortieren, Ordnen und Kategorisierung lernt es beispielsweise die Bedeutungen von „groß“ und „klein“ oder die Unterschiede von Farben und ihren Schattierungen. Das menschliche Gehirn funktioniert in Schubladen – und umso mehr wir unseren Kindern helfen, die Welt in diese Schubladen zu sortieren, desto leichter fällt es ihnen, ihre Schubladen zu füllen, neue Schubladen zu eröffnen und Gelerntes aus einer Schublade herauszuholen. Hieraus können wir also erkennen, dass für die kindliche Entwicklung Ordnung, Zugehörigkeiten und Kategorien wichtig sind.

Für das kindliche Umfeld bedeutet das also, dass es möglichst übersichtlich gestaltet sein sollte. Zudem sollten die Gegenstände im Haushalt einfach wieder geordnet – also aufgeräumt – werden können. Und so muss eben auch das Spielzeug für das Kind kategorisierbar sein. Das geht am besten, wenn ein Kind möglichst wenig Spielzeug hat. Die Menge muss schließlich dem Überblick, welchen ein Kleinkind haben kann, entsprechen. Kinder mögen es einfach, wenn alles übersichtlich und an „seinem Ort“ ist, denn das gibt ihnen Sicherheit.

Kinder brauchen Einfachheit
Auch hier hilft es wieder, zu verstehen, wie Kinder sich einen Überblick verschaffen – nämlich über die schon erwähnte Kategorisierung. Kinder können bis zum Vorschulalter lediglich in nur einer sogenannten „Dimension“ (z.B Farbe, Größe, Gewicht oder Zweck) ordnen. Erst ab dem Grundschulalter haben Kinder die Fähigkeit, Gegenstände in zwei oder mehr Dimensionen zu ordnen. Soll ein Kind also sein Spielzeug in mehr als einer Dimension einordnen, so wäre es zweifelsohne überfordert und fällt in Unsicherheit. Liebe Eltern, genau das ist der Grund, weshalb sich Kinder beim Thema Aufräumen oft querstellen: Sie sind in ihrem überfüllten, bunten und chaotischen Spielzeugüberfluss überfordert und können schlichtweg keine Ordnung finden!

Minimalismus gibt Sicherheit
Ein Überfluss an Spielzeug überfordert Kleinkinder also und kann sie in Unsicherheit stürzen. Kinder brauchen aber Sicherheit – Sicherheit bei Grenzen, Bezugspersonen, Gegenständen, Emotionen und einfach allem, was in der Welt ist. Fühlt ein Kind Sicherheit, so wird es ermutigt, wirkt ausgeglichen und ruhig. Fällt diese Sicherheit weg, so wird das Kind entmutigt, verwirrt, verängstigt, ablehnend oder gar aggressiv. Dieses Verhalten zeigen Kinder mit überladenen Kinderzimmern übrigens in gefühlt 95% aller Fälle, wenn sie aufräumen sollen. Behaltet hier immer im Hinterkopf: Aufräumen ist Ordnen – ist Kategorisieren – ist Sortieren – ist „die Welt verstehen“.

Kinder finden gern ihre eigene Ordnung. Auf diesem Weg erschließen sie sich die Welt, experimentieren und setzen sich aktiv mit ihrer Umgebung auseinander.

Weniger Spielzeug bedeutet mehr Spaß
Kinder wollen die Welt verstehen, sie haben Spaß daran. Sie wollen die Welt ordnen, sich eigene Ordnungen schaffen und ihre Denkschemata erweitern. Das hilft ihnen, Zusammenhänge zu verstehen. Wir können unseren Kindern dabei am besten helfen, wenn sie wenige Spielzeuge besitzen, die sich leicht in unterschiedliche Dimensionen einordnen lassen. Das könnte dann konkret so aussehen: Das Kind hat Autos in verschiedenen Farben auf dem Regal. In einer Kiste hat es viele Bausteine, die zwar alle die gleiche Farbe, aber dafür unterschiedliche Größen haben. In einem Korb hat es Bälle aus verschiedenen Materialien, die somit unterschiedlich schwer sind. Hat ein Kind weniger Spielzeug, so geben wir ihm eine Chance zum Sortieren. Dann hat es eine Chance, seine Schubladen zu füllen und die Welt besser zu verstehen.

Herzlichst, Rebecca alias Slow Mami

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