Entwicklungspsychologische Fakten: Ab welchem Alter kann ein Kind fernsehen?

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Medien sind in unserem Alltag allgegenwärtig und selbst für Babys und Kleinkinder gibt es eine schier endlose Auswahl an Medien wie Greifbüchern, Einschlafmusik-CDs und Fernsehangeboten. Und auch der Einfluss der Medien auf die heutigen Kinder nimmt immer mehr zu: in einer Befragung gaben Eltern an, dass Medien den wohl größten Einfluss nach der Familie auf ihre unter sechs-jährigen Kinder habe.[1]

Medien genießen unter Eltern und Pädagogen einen recht zweifelhaften Ruf: besonders die elektronischen Medien werden als Ursache für viele Entwicklungsdefizite (bspw. Sprachentwicklung) verantwortlich gemacht.

Es ist im Allgemeinen unumstritten, dass bestimmte Voraussetzung zur angemessenen und sinnvollen Mediennutzung gegeben sein müssen. Diese Voraussetzungen entwickeln sich erst mit fortschreitendem Alter. Doch der Umstand, dass Babys und Kleinkinder i. d. R. nicht imstande sind, Medien aktiv und eigenständig zu nutzen oder gar nur individuelle Wünsche und Vorlieben den Medien gegenüber haben, schließt nicht aus, dass auch kleinste Kinder ohne Frage fasziniert von Medien und deren Inhalten sind.

Entwicklungspsychologische Grundbedingungen zur Rezeption von Medien

Grundlegend ist die Frage, ob und wie Kleinkinder Medien verarbeiten. Erwachsene sind i. d. R. in der Lage, Medien wahrzunehmen und zu bedienen und schöpferisch oder sogar kritisch mit ihnen umzugehen. All diese Fähigkeiten setzen natürlich eine bestimmte Reife und einen gewissen Entwicklungsstand voraus.

Der deutsche Entwicklungspsychologe Michael Charlton benannte drei Kompetenzen, die zur Nutzung von Medien von Nöten seien[2]:

  • Kommunikative Kompetenz

Bezeichnet das allg. Verständnis, dass sämtliche „Symbole“ (Gestik, Mimik, Wörter, Bilder) einen bestimmten Inhalt repräsentieren.

Kinder lernen i. d. R. sehr früh den Sinn und Inhalt von Symbolen – allerdings bezieht sich dieses Verständnis in erster Linie auf die zwischenmenschliche Kommunikation. Die Kommunikation bzw. Aufnahme von Informationen durch Medien setzt dahingehen weitere Entwicklungsschritte voraus.

  • Kognitive Kompetenz

Beinhaltet den Zweck und das Verständnis über die Funktion von Medien. Kinder müssen verstehen lernen, welche Handlungen, Dinge oder Situationen das Medium vermittelt und müssen sich in die Protagonisten einer Handlung hineinversetzen können.

  • Emotionale Kompetenz

Umfasst die Fähigkeit, angemessene und interessante Themen von angsteinflößenden oder bedrohlichen Themen zu unterscheiden.

Die kommunikative sowie die kognitive Kompetenz entwickelt sich nach Michael Charlton bei Kindern bis zum sechsten Geburtstag relativ vorhersehbar. Bei der emotionalen Kompetenz sei die Entwicklung sowohl im Fortschritt als auch im Spektrum bis ins Erwachsenenalter sehr unterschiedlich, da sie auch stark von der Persönlichkeit des Menschen abhängig sei. Dies lässt sich bspw. daran erkennen, dass es Erwachsene gibt, die bevorzugt Horrorfilme schauen, während andere lieber Dokumentationen sehen.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Kinder wohl erst ab Vorschulalter Fernsehen schauen sollten. Erst dann sind sie in der Lage, die Flut an Informationen angemessen zu verarbeiten und zu deuten. Natürlich bleibt es im Endeffekt jedem Elternteil selber überlassen, ob es sein Kind Filme schauen lässt oder nicht – wichtig ist hierbei allerdings, dass man dann immer „am Kind dran“ ist, das heißt dass es nicht alleine vor dem Fernseher gelassen wird. Ein Kind sollte immer einen kompetenten Ansprechpartner haben, an den es sich während eines Films wenden kann, falls es Fragen oder Einfälle hat. Oder falls der Fernseher ausgemacht werden soll.

Herzlichst, Rebecca alias Slow Mami

[1] Michael Charlton (1996) Rezeptionsforschung: Theorien und Untersuchungen zum Umgang mit Massenmedien

[2] Vgl. Allensbach / Köcher (2009) (Das Institut für Demoskopie Allensbach wurde im Jahr 1947 gegründet. Das Institut gehört heute zu den renommiertesten Adressen für die Umfrageforschung in Deutschland. )

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