„Lüg mich nicht an, sonst hau ich dir auf die Fresse!“

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Wenn Kinder Opfer von Gewalt werden, dann neigen sie dazu, den Täter zu schützen. Das tun sie zum Beispiel, weil sie den Täter lieb haben oder weil sie sich schämen, dass sie die Gewalt zugelassen haben. Dieses Phänomen lässt sich im Großen wie auch im Kleinen beobachten.

„Lüg mich nicht an, sonst hau ich dir auf die Fresse!“ So schallte es gestern Abend beim Spielen plötzlich aus dem Kinderzimmer. Unsere Töchter spielten zusammen und stritten nun offenbar. Mein Mann wirkte sichtlich empört und „zitierte“ unsere Tochter zu sich. Ob sie wisse, was die da gemeines zu ihrer Schwester gesagt habe, fragte er sie. Nur Schulterzucken. Ob ihr klar sei, was das bedeute, bohrte er weiter nach. Sie schwieg, schaute zur Seite. Ihr Ausdruck war irgendwas zwischen zickig und eingeschüchtert, irgendwie rebellisch und zugleich den Tränen nah. Ich beobachtete die Situation zunächst nur und merkte, dass hier gerade ein Machtkampf am entstehen war – es sei denn, einer von beiden lenkt ein.

Ich konnte die Ungewissheit nicht aushalten und mischte mich ein. Ich bat unsere Kleine nun zu mir, ich setzte mich auf meinen Sessel und klopfte auf meine Oberschenkel. Sie verstand – und setzte sich auf meinen Schoß. Sie schaute bockig drein, vermied den Blickkontakt zu mir und ich fragte mich, wo denn bloß mein „Baby“ hin sei. Sie sah nun einem aufmüpfigen Teenager viel ähnlicher, obwohl sie doch erst fünf Jahre jung ist.

Ich fragte sie, wo sie diesen Satz gehört hat, denn „solche Worte kannst du von unserer Familie nicht kennen“. Sie schwieg weiter. „Hat das jemand im Kindergarten zu dir gesagt?!“ fragte ich sie. Weiter schweigen – es war zum verzweifeln. Warum sagt sie denn nichts?! Dann wäre doch alles gut!

„Schau mich bitte an. Hat jemand im Kindergarten so mit dir geredet? Weißt du, sowas zu sagen ist gemein und wer sowas sagt, ist kein guter Freund.“

Und plötzlich brach es aus ihr heraus. Sie fing bitterlich an zu weinen, fiel mir um den Hals und schluchzte. Dann traute sie sich zu erzählen, was geschehen war:
Ihre Freundin hatte das gestern zu ihr gesagt und ihr dann auch noch zur „Strafe“ den Finger umgeknickt.
Darüber war sie sehr traurig – schließlich war es ihre Freundin, die Gemeines zu ihr gesagt und ihr wehgetan hatte.

Möglicherweise bewirkte ein gewisser, unbewusster Schutzmechanismus in ihr, dass sie den „Täter“ zunächst schützen wollte, weil es sich um eine geliebte Person handelte.

Ich nahm sie einfach nur in den Arm und sagte gar nichts mehr… es war jetzt nicht wichtig, auf ihrer Freundin herumzutrampeln. Jetzt war nur noch wichtig, sie zu trösten.

Herzlichst, Rebecca

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