Von der Natur eingerichtet und von der Gesellschaft zerstört – meine Stillzeit (*Blogparade Stillen ist Liebe)

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Ich dachte immer, stillen sei ein natürlicher Vorgang, etwas Selbstverständliches, nichts Besonderes und ein Grundrecht des Babies. Stillen war für mich wie ein kleines Luftschloss – dieses Luftschloss wurde bombardiert, sodass es einstürzte. Ich war zu schwach, um standzuhalten.

Das Stillen gehörte für mich völlig selbstverständlich dazu – so selbstverständlich, wie ein Kind geboren wird, geliebt wird, gekuschelt wird, so wird es auch gestillt. Dachte ich. Naja, ich muss zugeben, ich war absolut unerfahren mit Babies. Ich war die erste in meinem Bekanntenkreis, die ein Baby bekam und so wusste ich rein gar nichts über Neugeborene und Säuglinge. Ich war nun also mit 24 Jahren mit Zwillingen schwanger – und in meiner noch jugendlichen Naivität und in meinem Vertrauen in die Natur wusste ich: wenn mein Körper Zwillinge machen kann, dann kann er auch Zwillinge ernähren. So einfach ist das.

Ich weiß noch, als ich zur Anmeldung im Krankenhaus war, da fragte mich die Hebamme:

„Möchten sie ihre Babies stillen?“ – „Hä?! Ja klar!“

Ich verstand die Frage nicht. Wie kann man denn ein Baby nicht stillen – und wie kann man denn nicht stillen wollen? Wovon soll es sich denn sonst ernähren? Für mich gehörte das Stillen dazu wie Atmen. Die Hebamme erwiderte: „Na, manche Frauen möchten nicht so gern stillen, weil sie Angst haben, dass dann ihre Brüste hängen, oder weil sie gern rauchen oder lieber ihre Freiheit möchten…“

Meine Kinnlade klappte sich runter. Ich verstand nur Bahnhof. Ich wollte es nicht verstehen, ich wollte es nicht nachvollziehen. So eine Unterhaltung wollte ich nicht führen – es erschütterte mich.

So weit, so gut.

Meine Töchter kamen im Sommer 2012 zur Welt und natürlich begann ich zu Stillen. Der Weg war etwas beschwerlich, schließlich musste ich erstmal alle Techniken erlernen und mit meinen Brüsten nun zwei Babies ernähren. Ich stillte also und pumpte zusätzlich ab. Meine Brustwarzen wurden wund, manchmal auch blutig, sie schmerzten. Für mich war das aber nicht schlimm – ich wusste ja, dass es für meine Babies ist und dass es einfach richtig ist. Ich nahm es als selbstverständlich hin, dass das am Anfang nun mal so ist. „Es wird schon besser werden. Ich brauche nur etwas Übung und Zeit.“ So redete ich mir einfach immer selbst gut zu. Für mich war das irgendwie normal, zuhause immer oben ohne herumzusitzen oder dass meine Brüste und mein Rücken auch mal schmerzten. Meine Kinder entwickelten sich gut, das Stillen klappte immer besser, alles war gut. Meine Babies und ich lebten in meiner unbeschwerten, naiven, kleinen Stillwelt.

Doch jedes Mal, wenn ich mit anderen Leuten in Kontakt kam, kamen verunsichernde Fragen. Fragen, die ich mir selbst nicht mal gestellt habe, die mich unvorbereitet trafen und die mich manchmal ganz schön aus dem Konzept gebracht haben:

„Werden deine Kinder überhaupt satt??“
„Vielleicht würden deine Kinder weniger schreien, wenn du ihnen mal die Flasche gibst?!“
„Ist das nicht fürchterlich anstrengend??“
„Man, hast du große Brüste gekriegt – wie die hinterher wohl aussehen?!“
„Findest du das ok, überall in der Öffentlichkeit deine Brüste rausholen zu müssen?“
„Wie ist das denn für dein Mann, wenn er sich jetzt ständig deine Brüste mit noch zwei anderen Leuten teilen muss?!“

Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen und verunsichert. Die Fragen beeinflussten mein Vertrauen in meine naturgegebenen Fähigkeiten und in die gesunde Beziehung zu meinen Töchtern. Ich begann zu grübeln, zu zweifeln.

Ich hatte niemanden, der mich im Stillen bestärkt hätte. Von Stillberaterinnen oder speziellen Facebookgruppen wusste ich damals noch nichts. Ich brütete einfach leise vor mich hin – allein in meinem stillen Kämmerlein, eingesperrt mit diesen zermürbenden Fragen.

Ich verlor mein Selbstvertrauen ins Stillen mit jeder solcher komischen, unbedachten Fragen. Vielleicht war da ja was dran, an dem was immer alle sagen?

Ich begann, zuzufüttern. Nach drei Monaten Stillzeit war meine Milch versiegt.

(Ich wurde neulich von der Bloggerin des „Krümel Blog“ mit der Bitte angeschrieben, an ihrer Blogparade teilzunehmen. Das große Oberthema soll „Stillen ist Liebe“ sein. Auch ich habe Erfahrungen mit dem Stillen gemacht. Die will ich hier nun gerne teilen.

Hier geht es zur Blogparade: https://kruemel.blog/2018/01/12/blogparade-auf-dem-kruemel-blog-stillen-ist-liebe/)

Herzlichst, Rebecca

2 Kommentare

  1. Liebe Rebecca,
    Ratschläge sind eben auch Schläge, ich stille mein Baby (jetzt 6 Monate alt) voll und füttere nur so für den Geschmack mal hier mal da ein wenig Banane oder selbstgemachten Haferbrei. Und ich wurde auch schon kritisch gefragt „stillst du immer noch?“, wäre ich jetzt das erstmal Mama würde mich das auch schon verunsichern. Ich verstehe gut wie es dir gegangen sein muss. Ich erinnere mich noch an all die klugen Ratschläge bei meinem ersten Kind ! Dabei wissen wir eigentlich intuitiv genau was unsere Kinder brauchen – wenn da nur nicht so viel „Unkraut“ von außen käme mit wohl gemeinten Rat. Be blessed

    Gefällt 1 Person

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