Wie wir unsere Kinder mit Belohnungen bestrafen

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Neulich las ich einen Artikel mit der Überschrift „Belohnen ist das neue Bestrafen“. In letzter Zeit sind über dieses Thema viele Texte erschienen. Jesper Juul bezeichnete Belohnung einmal als das „postmoderne Bestrafen“, das heißt dass das Ausbleiben einer Belohnung dann die „neue“ Strafe ist. Keine Belohnung zu bekommen ist leider für manch ein Kind schon gar keine Option mehr. „Was krieg ich dafür?“ ist bei solchen Exemplaren eine typische Frage auf eine Bitte. Schade. Irgendwie, irgendwo, irgendwann ist da der Erziehungsbus mal falsch abgebogen – gibt es da ein zurück? Vielleicht. Doch das ist ein anderes Thema.

Ich möchte dieses Thema von einer neuen Seite beleuchten. Ich betrachte die Seite der Liebe.

Was ist eine Belohnung?

Ein kleines Gedankenspiel vorweg: Maria soll ihr Zimmer aufräumen. Dafür darf sie im Anschluss auch eine Stunde Fernsehen. Wenn sie es geschafft hat, brav und ruhig fernzusehen, bekommt sie hinterher noch eine Tafel Schokolade. Und weil Maria so lieb die Schokolade aufgegessen hat, darf sie ausnahmsweise auch noch etwas länger wach bleiben.

Wie bitte, was?!? Dieses schräge Beispiel verwirrt uns Erwachsene in unserer Prägung, was als „angenehm“ und „unangenehm“ gilt. Was will ich damit zeigen?

Nun, indem wir belohnen, bringen wir unseren Kindern bei, was als unangenehm und als angenehm anzusehen ist. Durch die einfache „Wenn-Dann-Formel“, die wir beim sog. Konditionieren anwenden, erschließen sich Kinder durch logisches Denken, welche Aktivitäten angenehm und unangenehm sind.

Das „Wenn“ ist immer das Unangenehme (Beispiel: Aufräumen) und das „Dann“ ist das Angenehme (Beispiel: Schokolade).

Belohnungen sind positive Zuwendungen, die wir unseren Kindern zukommen lassen, wenn sie etwas geleistet haben, das unseren Anforderungen entspricht. Sie verkörpern Zuneigung, die erhalten werden kann, wenn eine bestimmte Leistung gezeigt wurde. Sie symbolisieren buchstäblich unsere Liebe zu unseren Kindern. Aber warum belohnen wir überhaupt, wenn die Belohnung doch nur ein Platzhalter für unsere Liebe ist? Wieso verschenken wir nicht gleich unsere Liebe? Ich verrate es Euch: es ist leichter, Schokolade zu verschenken, als Liebe.

„Wie verschenke ich denn Liebe?“

Menschen tun Dinge immer aus einem bestimmten Antrieb. Wenn uns eine unliebsame Aufgabe erwartet, dann brauchen wir einen Antriebsschub von Außen. Wie gesagt: wir Eltern versuchen das dann gern mit Belohnungen. Kinder sollten Dinge aber aus einem inneren Antrieb tun! Der Antrieb sollte immer Liebe sein. Liebe zu sich selbst und zu den Eltern bzw. zur Familie und um die soziale Gemeinschaft Willen.

Liebe hat eine universale Währung: Zeit. Und genau die kann ich meinem Kind schenken. Sie ist wertvoller als alles andere – und bei den eigenen Kindern mit Sicherheit gut angelegt. Mit Zinsen!

Wir sollten uns immer überlegen, wie wir Liebe als Antrieb in unsere Kinder hineinpflanzen können. Schon 3-jährige verstehen, dass es gut für die Gemeinschaft in der Familie ist, gemeinsam den Esstisch abzuräumen. Sie merken, dass sie ein wertvoller Bestandteil der Familie sind und dass sie etwas Positives zum Zusammenleben beitragen können. Das vermittelt Wertschätzung und Freude an Verantwortung. Dieses tolle Gefühl ist schon Lohn genug.

Warum die Belohnung als Antrieb schlichtweg falsch ist:

Kinder trachten immer nach Liebe von ihren Eltern. Wenn wir Eltern nun eine materielle Belohnung als Platzhalter für unsere Liebe verwenden, so bringen wir unseren Kindern langfristig gesehen nur eines bei: Liebe kann mit Geld aufgewogen werden.

Die Quintessenz hieraus lautet: Geld ist wertvoller als Liebe.

Durch unnötige Belohnungen konditionieren wir unsere Kinder zu unreflektierten Personen, die unliebsame Tätigkeiten nur für einen billigen Lohn tun. Langfristig gesehen ist das eine völlig falsche Perspektive und zu kurz gedacht. Irgendwann werden unsere Kinder älter und cleverer. Sie werden spätestens im Teeniealter dazu verleitet, uns auszutricksen und zu schummeln, um schneller an ihre Belohnung zu kommen. Wir ziehen unsere Kinder so zu gierigen Betrügern heran. Es bringt zwar schnelle Erfolge, Belohnungen einzusetzen , doch es ist nicht nachhaltig, einen jungen Menschen wie einen Hund konditionieren zu wollen!

Auf lange Sicht berauben wir mit Belohnungen unsere Kinder ihrer emotionalen Identität. Wir laufen Gefahr, unsere Kinder zu „verprägen“, wenn wir den Fokus ihres Begehrens ständig auf materielle Dinge legen.

„Ich könnte doch aber nette Aktivitäten, Ausflüge oder Familienzeit als Belohnungen einsetzen!“

Ach ja?! Und wenn dein Kind nicht den gewünschten Erfolg bringt?! Darf es dann keine qualitative Familienzeit haben? Bestrafst du es dann mit Liebesentzug? …denk mal darüber nach…

Herzlichst, Deine Rebecca

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4 Kommentare

  1. Toller Blogpost, hab voll meine alten Erziehungsfehler wieder gefunden (oh noooo)
    Hier noch ein absoluter Geheimtipp für Liebe – es gibt Liebessprachen, sowie es auch verschiedene Muttersprachen gibt. Es sind 5 Stück und beschrieben werden sie in dem Buch, die 5 Sprachen der Liebe. Den Link poste ich hier gleich, wenn ihr bei der Bestellung ein JV neben euren Namen schreibt erhalte ich eine kleine Vergütung, es wird für euch aber nicht teuerer ! Danke
    http://shop.christlichebuchhandlung.hamburg/die-funf-sprachen-der-liebe-fur-familien-2.html

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich freue mich immer, wenn ich die Mamas dort abholen kann, wo der Schuh drückt. Deine Buchempfehlung finde ich super – ich habe schon von dem Titel gehört und werde ihn mir sicher zulegen. LG, Rebecca

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  2. Sehr interessant! Ich versuche immer drauf zu achten, aber leider gelingt es dann doch nicht immer. Vor allem das Zimmer-aufräumen ist so eine Sache. Da den inneren Antrieb auszulösen, ist schwierig, aber ich bleib dran.

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  3. Hallo Schokominzabonn,

    Vielen Dank für deinen Einwand. Ja, das Aufräumen ist einer der Klassiker, bei denen oft Überforderung der Kinder eine Rolle spielt.
    Kinder haben unser Erwachsenes Ordnungssystem noch nicht verinnerlicht. Sie machen sich selbst ein Bild von der Welt und entwickeln ihre eigene (Un-)Ordnung. Ich kenne das von meinen Töchtern nur zu gut! 😀

    Ich denke, ich werde über dieses Thema mal einen Artikel verfassen – vielen Dank für die Inspiration!

    Liebe Grüße,
    Rebecca

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